Barrierefrei planen und bauen

Wohnungsgrundrisse

Für interessierte Besucherinnen und Besucher stellen wir Ihnen hier einige grundlegende Aspekte barrierefreier Wohngebäude vor. Die im Folgenden dargestellten Aspekte sind überwiegend den DIN-Normen für barrierefreies Bauen entnommen, ergänzt um Anforderungen, die auf Erfahrungen in realisierten Wohnprojekten beruhen.

Unter barrierefreien Wohnungen versteht die Norm barrierefrei nutzbare Wohnungen sowie barrierefrei und überdies uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbare Wohnungen, sogenannte R-Wohnungen.

Eine entscheidende Qualität des Grundrisses einer barrierefreien Wohnung besteht in der flexiblen Nutzbarkeit der Räume. Wird z. B. bei einem Ehepaar einer der Partner pflegebedürftig, ist es wichtig, ein Zimmer zum Pflegezimmer gestalten zu können und gleichzeitig dem gesünderen Partner noch genügend Entfaltungsmöglichkeiten in der Wohnung zu lassen.

Auswirkungen der hohen Verweildauer älterer und behinderter Menschen in der Wohnung

Bei Zwei- und Dreizimmerwohnungen sollte eine stark ausgeprägte Raumhierarchie vermieden werden. Mehrere mittelgroße Wohnräume sind einem besonders großen Wohnzimmer vorzuziehen. Eine Variante stellen große Wohnräume dar, die auf einfache Art und Weise in 2 Zimmer teilbar sind. Auch sollten bei der Erschließung der Wohnräume keine gefangenen Räume entstehen, die keinen eigenen Zugang vom Wohnungsflur haben.

Bei alten und behinderten Menschen ist von einer überproportional hohen Verweildauer in der Wohnung bzw. in der Wohnanlage auszugehen, da wegen der verringerten Mobilität jeder Umzug und jedes Eingewöhnen in eine neue Umgebung eine große Belastung darstellt. Das bedeutet für die Grundrissplanun u. a. auch, dass auf eine gute Belichtung und Besonnung der "Wohnungen geachtet werden muss. Eine gute Tagesbelichtung von Wohnungen verbessert die Wohnqualität für alle Bewohner, insbesondere für sehbehinderte Menschen.

Barrierefreie Bäder

Bäder und Küchen bilden den anspruchsvollsten Part im barrierefreien Wohnungsbau. Die Funktionsabläufe konzentrieren sich auf enger Fläche und müssen deshalb sorgfältig geplant werden. Die fortgeschrittene Standardisierung erleichtert zwar die Planung, andererseits verlangen die vielfältigen Geräte- und Ausstattungsinnovationen eine immer wieder zu aktualisierende Informationssammlung über diese Entwicklungen.

Das Badezimmer ist heute nicht mehr nur ein Sanitärraum für notwendige Hygiene, sondern es dient zunehmend auch einer ausgiebigen und auf Entspannung ausgelegten Körperpflege. Deshalb ist geschickte Planung notwendig, um auf einer verhältnismäßig kleinen Fläche eine großzügige Raumwirkung und viele praktische Möglichkeiten zu erhalten. Eine zu sparsame Badgestaltung mindert den langfristigen Wert einer Wohnung.

Barrierefreie Küchen

Eine barrierefreie Wohnung stellt auch besondere Anforderungen an die Gestaltung der Küche. Vor der Küchenzeile benötigen die Bewohner von barrierefreien Wohnungen eine 120 cm tiefe, die Bewohner von R-Wohnungen eine 150 cm tiefe Bewegungsfläche. Bei der Grundrissplanung sollte dar auf geachtet werden, dass Herd, Arbeitsplatte und Spüle übereck angeordnet werden können.

Eine solche Anordnung erspart viele Bewegungen und erleichtert sowohl gehbehinderten Menschen als auch Rollstuhlbenutzern die Küchenarbeit Für Rollstuhlbenutzer ist es besonders wichtig, dass Herd, Arbeitsplatte und Spüle uneingeschränkt unterfahrbar sind. Auch alten Menschen, die gehbehindert oder nicht lange Zeit stehen können, erleichetert dies die Küchenarbeit.

Moderne Küchen mit großzügiger Flächenausstattung platzieren den Herd und ergänzende Arbeitsflächen in die Mitte des Raumes. Dies hat den Vorteil, dass mehrere Personen beim Kochen zusammenarbeiten können. Für alte und behinderte Menschen vorteilhaft sind Entwicklungen bei modernen Einbauküchen bei denen der Backofen und die Mikrowelle auf mittlerer I-Iöhe in die Schränke integriert sind.

Aufzüge, Treppen, Flure und Türen

Die stufenfreie Erschließung einer Wohnung stellt eine zentrale Voraussetzung für ihre Barrierefreiheit dar. Ein häufiger Grund, der alte Menschen dazu bewegt, ihre seit vielen Jahren bewohnte Wohnung zu verlassen, sind Treppen, die von ihnen nicht mehr bewältigt werden können.

Alle Wohnungen, die nicht im Erdgeschoss sondern in höheren Gebäudeebenen liegen, benötigen zu ihrer Erschließung einen Aufzug, durch den die VVohnungen stufenfrei erreichbar werden. Dabei sind auch an den Aufzug besondere Anforderungen zu stellen.

Die Installation eines Aufzuges ist im Wohnungsbau mit verhältnismäßig hohen Kosten verbunden, weil die Ausnutzung des Aufzuges geringer ist als in Bürogebäuden. Um die Investition in den Aufzug möglichst wirtschaftlich zu gestalten und um dennoch keine Wohnhochhäuser errichten zu müssen, wurden in den letzten Jahren niedriggeschossige Gebäudeanordnungen mit Erschließungsformen entwickelt, die es ermöglichen, eine größere Zahl von Wohnungen an einen Aufzug anzubinden.

Gebäudetechnik, Bedienelemente

Heute noch ungewohnt, morgen vielleicht schon eine Selbstverständlichkeit, dürften beispielsweise Türgriffe in einer Höhe von 85 cm (Oberfläche Fertigfußboden) sein. Die Höhe von 85 cm für alle Bedienelemente kommt auf der einen Seite den Bedürfnissen von Rollstuhlbenutzern, Kleinwüchsigen und Kindern entgegen, auf der anderen Seite aber auch denen von gehenden Menschen mit durchschnittlicher oder höherer Körpergröße.

Bei barrierefreien Wohnungen kann von längeren Aufenthaltszeiten ihrer älteren und behinderten Bewohner ausgegangen werden. Hierdurch steigt der Komfortbedarf bei Raumluft und Raumtemperatur. Erfahrungsgemäß nutzen ältere Menschen auch im Sommer an kühlen Tagen die Heizung, da sie empfindlicher auf Kälte reagieren.

Bei Einschränkungen in der Beweglichkeit oder im Krankheitsfall fällt einerseits das regelmäßige Lüften der sollte eine barrierefreie Wohnung über eine Lüftungsanlage verfügen und die Heizung auf eine höhere Raumtemperatur von 23 °C ausgelegt sein. Bei der Art der Heizung ist abzuwägen zwischen einer komfortablen Fußbodenheizung, die allerdings sehr träge auf Temperaturschwankungen reagiert, und Radiatoren, deren Wärmeausstrahlung von den Bewohnern schnell geändert werden kann.